Willkommen
Aktuell
Rückeroth heute
Freiw. Feuerwehr
Traktorfreunde
Statistik
Lage
Geschichte
Flurnamen
Literatur
Bauplätze
Vereine
Schützenverein
Sportverein Edelweiß
Ev. Frauenhilfe
Bilder
Waldbegang
Wirtschaft
Bürgermeister
Gemeinderat
Gästebuch
Links
Impressum

Evangelische Frauenhilfe Rückeroth

Evangelische Frauenhilfe Rückeroth

 

 

 

Die Evangelische Frauenhilfe Rückeroth hatte im Jubiläumsjahr 2009 doppelten Grund zum Feiern. Sie kann nämlich im Festjahr 2009 auch ein eigenes kleines Jubiläum feiern: nämlich ihr 60jähriges Bestehen.

Und weil Jubiläen immer Anlass zum Rückblick geben, soll das auch diesmal so geschehen. Wagen wir eine Rückschau auf die Geschichte der Ev. Frauenhilfe im allgemeinen und auf die Vergangenheit der Ev. Frauenhilfe Rückeroth im besonderen.

 

Die geistigen Wurzeln der Ideen und Initiativen der Evangelischen Frauenhilfe im allgemeinen gehen auf die Mitte des 19. Jahrhunderts im damaligen Preußischen Königreich zurück und haben ihren Ursprung in der sich zu dieser Zeit entwickelnden Diakonie und der Inneren Mission.

 

Und keine Geringere als die Deutsche Kaiserin und Königin von Preußen, Auguste Viktoria von Preußen, erweist sich 1899 als Stifterin der Frauenhilfe des Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins, dem Vorläufer der heutigen Ev. Frauenhilfe in ganz Deutschland.

Einer Legende nach soll sie sich zur Kur in Wiesbaden aufgehalten haben und hier den Kontakt zu prominenten Frauen der Evangelischen Kirche im damaligen Konsistorialbezirk Wiesbaden (heute: Evangelische Kirche in Hessen und Nassau / EHKN) gehabt haben. Und ihnen erzählte sie von ihren Ideen und Initiativen diakonischer Frauenarbeit im preußischen Berlin, denn seit 1881 hatte sie mit Ihrem Gemahl, Prinz Wilhelm von Preußen, dem späteren Kaiser Wilhelm II., den Marmorpalais der Hohenzollern in Potsdam bezogen.

Die Idee wurde in Wiesbaden zum Selbstläufer. Am 25.04.1900 gründeten die Wiesbadener Frauen die „Frauenhülfe des Evangelisch-kirchlichen Hülfsvereins“ im Bezirk Wiesbaden. Damit handelt es sich aber nicht um eine Organisation der Evangelischen Kirche, die aber die Organisation unterstützte.

Dreizehn Jahre später beginnt die „Evangelische Frauenhilfe im Bezirk Wiesbaden e. V.“ ihre Zusammenarbeit mit dem Paulinenstift in Wiesbaden.

 

Es folgten der Erste und Zweite Weltkrieg, bis nach deren Ende die Initiative auch in Rückeroth im Jahre 1949 zur Gründung der Evangelischen Frauenhilfe führte.

Und es ist eine Diakonissin des Wiesbadener Paulinenstiftes, Auguste Thiel aus Rückeroth, die in Rückeroth zusammen mit Pfarrer Heinrich Görnert die Vereinsarbeit leitet.

Schwester Auguste, Diakonissin im Ruhestand, wohnte in Rückeroth im Obergeschoss des (heutigen) Hauses Hauptstraße 18 (Betzenschneijersch), wo auch anfangs die Zusammenkünfte stattfanden. Später traf man sich in der alten Rückerother Schule, die nicht mehr steht.

 

Ziele und Aufgaben der Ev. Frauenhilfe-Arbeit haben sich auch in Rückeroth seit 1949 bis heute grundlegend geändert. Gerade in der Frauenarbeit vollzogen sich Umbrüche die Frauenrolle in der Gesellschaft und der Familie betreffend, die auch an den Rückerother Frauen nicht spurlos vorüber gegangen sind.

In der Rückerother Anfangszeit prägten diakonisches Helfen und christliche Nächstenliebe das Handeln der Frauen. Die wirtschaftliche und soziale Not vieler Glaubensschwestern und –brüder der Nachkriegszeit und im geteilten Deutschland verlangten dies.

Die Frauen bastelten, strickten und backten Kuchen für die Mission oder Basare, um den Erlös für Bedürftige zu erwirtschaften.

Anfang der 50er Jahre entschlossen sich die Landeskirchen der BRD für die Landeskirchen der Ostzone (DDR) Patenschaften zu übernehmen. Für die EKHN war dies die Kirchenprovinz Sachsen. Und Rückeroth ging mit der Ev. Kirche der Chemiestadt Bitterfeld in Sachsen-Anhalt eine Patenschaft ein. Über Jahre hinweg wurden nun von der Frauenhilfe und ihrem Pfarrer Kontakte zu ihrer Patenstadt gepflegt, in der bittere Not herrschte. Zahlreiche Pakete und Päcken verließen Rückeroth ausdrücklich als Geschenkpakete deklariert und an einzelne Familien der DDR-Stadt adressiert, um den Vorschriften der ostzonalen Behörden gerecht zu werden. Auch Besuche in der DDR fanden statt. Die politische Wende 1989 brachte auch eine Wende in der Kontaktpflege.

 

Was schweißt heute die Rückerother Frauen der Ev. Frauenhilfe zusammen?

Pfarrer Henßler und auch seine Vorgänger ließen es sich nie nehmen, bei allen Zusammenkünften der Frauen mitzuwirken, ohne ihren Vorsitz zu führen.

Die Zusammenkünfte finden von Oktober bis Ostern zweimal im Monat im Ev. Gemeindehaus statt. Dabei gibt es immer einen kurzen oder längeren geistlichen Input, es wird gesungen und gebetet, dann aber auch aktuelle und brennende Themen behandelt, im Aspekt des Glaubens gedeutet und verarbeitet. Referentinnen und Referenten der Erwachsenenbildung ergänzen hin und wieder das Programm. Höhepunkte sind der ökumenische Weltgebetstag am jeweiligen ersten Freitag im März, der gemeinsame Beginn der Frauenhilfetreffen im Oktober sowie der gemeinsame Abschluss-Jahresausflug im Juni mit den drei übrigen Frauenkreisen des Rückerother Kirchspiels.

Und es wird nach neuen Formen der Zusammenkünfte gesucht: im Augenblick finden die Frauen-Frühstücks-Treffen und „Frauen-Spätstücks-Treffen“, zu denen mehr Frauen und vermehrt auch jüngere sowie Gemeindefremde kommen, großen Zuspruch.

 

 

 

Diakonissin Auguste Thiel (dritte Person von rechts),

die Mitbegründerin der Rückerother Evangelischen Frauenhilfe

 

                                                                              (Wilfried Göbler/2009)